In den letzten Jahren ist in Deutschland ein besorgniserregender Trend zu beobachten: die Zahl der Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten steigt rapide. Nach neuesten Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA) hat sich die Zahl der registrierten Straftaten gegen Medienschaffende deutlich erhöht. Dabei handelt es sich häufig um körperliche Übergriffe, Bedrohungen und Sachbeschädigungen gegenüber Personen, die bei Demonstrationen oder öffentlichen Veranstaltungen ihrer Arbeit nachgehen.
Besonders auffällig ist laut BKA, dass viele dieser Taten am Rand politischer Kundgebungen stattfinden – insbesondere bei Protesten gegen staatliche Maßnahmen oder gesellschaftliche Themen wie Migration, Klimaschutz oder Pandemiepolitik.
Digitale Hetze als Brandbeschleuniger
Neben physischen Angriffen spielt auch digitale Gewalt eine zunehmend gefährliche Rolle. Journalistinnen und Journalisten werden in sozialen Netzwerken diffamiert, bedroht oder mit Hasskommentaren überzogen. Diese Attacken bleiben oft anonym, verbreiten sich schnell und können das Sicherheitsgefühl der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.
Laut einer Untersuchung des European Centre for Press and Media Freedom (ECPMF, 2025) berichteten über 60 % der befragten Medienschaffenden in Deutschland von mindestens einer Online-Bedrohung im vergangenen Jahr. Solche digitalen Angriffe schaffen nicht nur ein Klima der Angst, sondern gefährden auch die Qualität der öffentlichen Berichterstattung.
Gesellschaftliche Polarisierung als Ursache
Fachleute sehen die zunehmende Polarisierung in Gesellschaft und Onlinediskursen als zentrale Ursache. Die sozialen Medien wirken dabei wie ein Verstärker, in dem Misstrauen und Feindbilder gegenüber etablierten Medien gezielt geschürt werden.
Eine Studie des Instituts für Medienverantwortung (2024) zeigt, dass der Anteil der Menschen, die klassischen Nachrichtenmedien misstrauen, in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Diese Entwicklung schwächt den Rückhalt für freie Pressearbeit und erleichtert es extremistischen Gruppen, Journalisten öffentlich zu attackieren.
Schutzmaßnahmen und politische Reaktionen
Bund und Länder reagieren auf diese besorgniserregende Entwicklung mit neuen Schutzkonzepten. So arbeitet das Bundesinnenministerium an einer engere Kooperation zwischen Polizei und Medienhäusern, um Reporter bei Großveranstaltungen besser abzusichern. Auch Schulungsprogramme zur digitalen Selbstverteidigung werden zunehmend angeboten.
Organisationen wie Reporter ohne Grenzen fordern jedoch weitergehende Schritte, darunter eine konsequentere Strafverfolgung und ein bundesweites Meldesystem für Angriffe auf Medienschaffende.
Fazit
Die wachsende Gewalt gegen Journalistinnen und Journalisten ist ein Spiegel gesellschaftlicher Spannungen und ein Alarmsignal für die Demokratie. Nur wenn Politik, Medien und Gesellschaft gemeinsam handeln, kann die Pressefreiheit in Deutschland langfristig geschützt werden.
Quellen
Gewalt gegen Journalisten hat stark zugenommen
Germany: Attacks on journalists on the rise






