17.09.2026
4 Minuten Lesezeit

Jacqueline Pfeifer: Ein würdevoller Abschied nach einer Ära des deutschen Skeletonsports

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@2026 sportschau

Jacqueline Pfeifer hat mit 31 Jahrenihre Karriere im Skeletonsport beendet. Die dreimalige Weltmeisterin und Olympiamedaillengewinnerin verlässt die Sportbühne nach mehr als einem Jahrzehnt an der Weltspitze – nicht mit einem abrupten Schlussstrich, sondern mit einem durchdachten, emotional fundierten Abschied, der zeigt, wie sehrsie ihre Sportart geprägt hat. Ihre Entscheidung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke: Sie geht, weilsie weiß, wann der richtige Moment gekommen ist.

Warum dieser Rücktritt mehr ist als nur eine Meldung

Der Rücktritt von Jacqueline Pfeifer ist kein gewöhnliches Karriereende. Es ist das Ende einer Ära, in der sie den deutschen Skeletonsport international zurück auf die Landkarte brachte. Mit drei olympischen Medaillen – Silber 2018 in Pyeongchang, zweimal Bronze 2026 in Cortina – sowie drei Weltmeistertiteln und dem Gesamtweltcup-Sieg gehört sie zu den erfolgreichsten Skeletonpilotinnen der deutschen Geschichte. Doch was ihre Bilanz besonders macht, ist nicht nur die Quantität der Erfolge, sondern die Art und Weise, wie sie diese errungen hat: durch Resilienz, technische Präzision und eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Selbstreflexion.

Ihr Abschied kommt zu einem Zeitpunkt, an dem viele Athleten noch jahrelang weitermachen würden. Doch Jacqueline Pfeifer hat erkannt, dass Motivation nicht erzwingbar ist – besonders nicht über einen weiteren vierjährigen Olympiazyklus bis 2030. „Der Zeitpunkt ist genau richtig. Ich hätte, denke ich, nicht mehr die Motivation aufbringen können“, sagte sie selbstbewusst in Siegen. Diese Ehrlichkeit ist selten im Leistungssport, wo oft bis zur völligen Erschöpfung weitergemacht wird.

Von der Jugendweltmeisterin zur dominierenden Kraft

Die Karriere von Jacqueline Pfeifer, geboren als Jacqueline Lölling, begann mit einem Paukenschlag. Bereits mit 17 Jahren holte sie 2012 Gold bei den Olympischen Jugend-Winterspielen in Innsbruck – ein frühes Zeichen ihres außergewöhnlichen Talents. Im selben Jahr gewann sie überraschend die deutschen Meisterschaften bei den Erwachsenen, obwohl sie noch als Juniorin startete.

Ihr Durchbruch im Seniorenbereich gelang 2015 bei der Weltmeisterschaft in Winterberg. Als Jugendweltmeisterin erhielt sie eine Wildcard und überraschte die Konkurrenz mit Silber im Einzelwettbewerb. Von diesem Moment an war Jacqueline Pfeifer fest in der Weltspitze etabliert. Die Saison 2016/2017 wurde zur absoluten Triumphsaison: vier Weltcupsiege, Europameistertitel, Gesamtweltcup und bei der WM am Königssee Gold sowohl im Einzel als auch im Team. Eine Dominanz, die im Skeletonsport selten ist.

Die Krise als Wendepunkt

Doch der Weg nach oben ist nie linear. Nach den Olympischen Spielen 2022 in Peking, wo sie nur den achten Platz belegte, stand Jacqueline Pfeifer kurz vor dem Karriereende. Die Enttäuschung war groß, die Zweifel nagten. In dieser Phase spielte Tobias Alt, Trainingswissenschaftler am Olympiastützpunkt, eine entscheidende Rolle. Gemeinsam analysierten sie ihre Leistungen und identifizierten Schwachstellen – insbesondere die Startgeschwindigkeit, einen der entscheidenden Faktoren im Skeleton.

Das gezielte Training zahlte sich aus: Ein kräftiges und zugleich bewegliches Sprunggelenk, eine optimale Hüftstellung, die richtige Armhaltung und ein verbesserter Rhythmus brachten sie zurück an die Weltspitze. Im November 2025 gelang ihr nach fünf Jahren wieder ein Weltcupsieg – auf der Olympiabahn in Cortina, jenem Ort, der später zur Bühne ihres großen Comebacks werden sollte.

Olympia 2026: Der perfekte Schlusspunkt

Bei ihren dritten Olympischen Spielen in Cortina 2026 zeigte Jacqueline Pfeifer noch einmal alles, was sie kann. Elf Wochen nach ihrem Weltcupsieg holte sie Bronze im Einzelwettbewerb – acht Jahre nach ihrer ersten olympischen Medaille in Pyeongchang. Doch der emotionalste Moment kam im Mixed-Wettbewerb, wo sie gemeinsam mit Christopher Grotheer Bronze gewann. Grotheer erklärte unmittelbar nach dem Rennen seinen Rücktritt – für Jacqueline Pfeifer ein symbolischer Abschluss, da beide 2007 gemeinsam mit dem Skeletonsport begonnen hatten.

„Mit den zwei Medaillen in Cortina hätte das letzte Kapitel wohl kaum schöner enden können“, schrieb sie später auf Instagram. Diese Worte zeigen, wie bewusst sie ihren Abschied gestaltet hat. Sie wollte sich nicht einfach zurückziehen, sondern mit einem letzten großen Erfolg gehen – und das ist ihr gelungen.

Die Zukunft nach dem Leistungssport

Beruflich bleibt Jacqueline Pfeifer zunächst bei der Bundespolizei, wo sie seit 2014 in der Sportfördergruppe angestellt ist. Doch nun möchte sie die Zeit nutzen, um sich neu zu orientieren. „Ich werde zunächst noch Zeit haben, abzutrainieren und nach dem Ausstieg aus der Sportfördergruppe hat man die Möglichkeit, ein paar Praktika zu absolvieren, um sich einen Überblick zu verschaffen“, sagte sie. Eine Hintertür ließ sie sich jedoch offen: Sie könne sich vorstellen, ihre Erfahrungen als Trainerin an den Skeleton-Nachwuchs am Olympiastützpunkt in Winterberg weiterzugeben.

Diese Offenheit zeigt, dass Jacqueline Pfeifer dem Sport erhalten bleiben möchte – nur in einer anderen Rolle. Ihre Expertise, besonders in Bezug auf technische Feinheiten und mentale Stärke, wäre für junge Athletinnen und Athleten von unschätzbarem Wert.

Was ihr Rücktritt für den Skeletonsport bedeutet

Der Abschied von Jacqueline Pfeifer hinterlässt eine Lücke im deutschen Skeletonsport. Sie war nicht nur eine erfolgreiche Athletin, sondern auch eine Identifikationsfigur für junge Sportlerinnen. Ihre Fähigkeit, nach Krisen zurückzukommen, zeigt, dass Durchhaltevermögen und technische Präzision oft wichtiger sind als reines Talent.

Für den BSD (Bob- und Schlittenverband für Deutschland) ist ihr Rücktritt eine Chance, über die Zukunft des Sports nachzudenken. Wie kann man junge Talente besser fördern? Wie kann man Athletinnen wie Jacqueline Lölling, die unter diesem Namen viele ihrer frühen Erfolge feierte, unterstützen, wenn sie in Krisen stecken? Ihre Geschichte zeigt, dass gezielte wissenschaftliche Betreuung und mentale Unterstützung den Unterschied machen können.

Ein Vermächtnis, das bleibt

Jacqueline Pfeifer verlässt den Sport mit einer Bilanz, die Respekt einflößt: drei olympische Medaillen, drei Weltmeistertitel, dreimal Gesamtweltcup-Siegerin und 15 Weltcupsiege. Doch ihr wahres Vermächtnis liegt in der Art und Weise, wie sie ihre Karriere gestaltet hat – mit Ehrlichkeit, Resilienz und einem klaren Blick auf das, was wirklich zählt.

Ihr Rücktritt ist kein Ende, sondern ein Neuanfang. Für sie persönlich, aber auch für den deutschen Skeletonsport, der von ihrer Erfahrung noch lange profitieren wird. Wenn sie eines Tages als Trainerin am Olympiastützpunkt steht, wird ihre nächste Generation von Athletinnen und Athleten von ihrem Wissen profitieren – und vielleicht eines Tages genauso erfolgreich sein wie Jacqueline Pfeifer selbst.

Quellen

Skeleton-Pilotin Jacqueline Pfeifer beendet Karriere
Jacqueline Pfeifer: Skeleton-Star beendet Karriere nach Olympia-Erfolgen


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