14.09.2026
4 Minuten Lesezeit

„Mit diesem Bundeskanzler sind keine Wahlen mehr zu gewinnen“: Clara von Nathusius fordert Kurswechsel in der CDU

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@2026 dpa

Clara von Nathusius hat mit ihrer scharfenKritik an Friedrich Merz eine Debatte ausgelöst, die weit über die Personalfrage hinausreicht. Die Schatzmeisterin der Jungen Union macht ein fundamentales Glaubwürdigkeitsproblem der Union aus undfordert einen radikalen Neuanfang – sowohl personellals auch inhaltlich.

Eine Stimme, die nicht ignoriert werden kann

Die Worte von Clara Nathusius fallen nicht zufällig. Als Bundesschatzmeisterin der Jungen Union und Mitarbeiterin im Kommunikationsstab von Wolfram Weimer, dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, verfügt sie über Einblick in die strategischen Abläufe der Partei. Ihre Analyse ist daher nicht als spontane Emotion nach einem schlechten Wahlergebnis zu verstehen, sondern als durchdachtes Statement einer Insiders.

Clara von Nathusius bringt es auf den Punkt: „Wir haben ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Das ist nicht nur an Friedrich Merz aufgehängt, aber auch.“ Diese Differenzierung ist wichtig. Sie macht deutlich, dass es nicht um eine einfache Personalisierung geht, sondern um ein strukturelles Problem, das sich jedoch auch in der Person des Kanzlers manifestiert.

Das Debakel von Sachsen-Anhalt als Symptom

Der Auslöser dieser offenen Kritik ist das historische Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt vom 6. September 2026. Die AfD wurde mit 43,8 Prozent der Stimmen erstmals stärkste Kraft in einem deutschen Bundesland. Die CDU hingegen stürzte um fast 20 Prozentpunkte auf nur noch 17,2 Prozent ab – ihr schlechtestes Ergebnis seit der Wiedervereinigung in diesem Bundesland.

Diese Zahlen sind mehr als nur eine Niederlage. Sie sind ein Warnsignal. Clara von Nathusius erkennt darin das Ergebnis jahrelanger strategischer Fehlentscheidungen. Die Union habe sich darauf konzentriert, „gegen wen oder was wir sind, und nicht zu definieren, wofür wir stehen“, so die JU-Politikerin.

Die Brandmauer als „gescheitertes Projekt“

Besonders brisant ist ihre Einschätzung zur sogenannten Brandmauer gegen die AfD. Clara von Nathusius bezeichnet diese Strategie offen als „gescheitertes Projekt“. Diese Aussage widerspricht der offiziellen Parteilinie fundamental und zeigt, wie tief die Unzufriedenheit in Teilen der Union bereits sitzt.

Ihre Argumentation ist dabei pragmatisch: Die bisherige Abgrenzungsstrategie habe nicht funktioniert. Stattdessen plädiert Clara von Sivers (wie sie in manchen Kontexten auch genannt wird) für einen anderen Ansatz. Auf die Frage, ob die CDU in Sachsen-Anhalt Sondierungsgespräche mit der AfD führen sollte, antwortete sie: „Ich finde, wenn wir eingeladen werden, sollten wir erst mal mit jedem sprechen.“

Diese Position ist nicht als Befürwortung einer Koalition zu verstehen, sondern als Ausdruck eines veränderten politischen Selbstverständnisses. Clara von Nathusius betont: „Dann müsse man schauen, was in den Gesprächen herauskommt.“

Heinrich von Nathusius und die familiäre Prägung

Die politische Sozialisation von Clara von Nathusius ist dabei nicht zufällig. Ein Teil ihrer Familie geht auf das aus dem Magdeburger Raum stammende Adelsgeschlecht Nathusius zurück, zu dem auch Heinrich von Nathusius gehörte – ein bedeutender Agrarreformer und Politiker des 19. Jahrhunderts. Diese historische Verwurzelung in konservativen Werten prägt ihr politisches Verständnis.

Aufgewachsen als jüngstes von drei Kindern in der Nähe von Frankfurt am Main, studierte sie Betriebswirtschaftslehre in München und Berlin. Ihre berufliche Laufbahn führte sie über eine Tätigkeit im Bundestag für Paul Ziemiak und die Begleitung des Bundestagswahlkampfs 2021 als Referentin für Armin Laschet hin zur Unternehmensberatung EY-Parthenon.

Seit Juni 2025 leitet Clara von Nathusius das Pressereferat von Wolfram Weimer und ist gleichzeitig Bundesschatzmeisterin der Jungen Union. Diese Doppelrolle gibt ihr eine besondere Perspektive auf die Innen- und Außenwahrnehmung der Union.

Was die Union wirklich braucht: Eine Positivagenda

Die Kritik von Clara Nathusius bleibt nicht bei der Analyse stehen. Sie bietet konkrete Lösungsvorschläge an. Als zentrale Punkte nennt sie die soziale Marktwirtschaft, eine konsequente Migrationspolitik und „endlich wieder Politik für Familien“.

Diese Forderungen sind nicht neu, aber ihre offene Artikulation durch eine Funktionärin der Jungen Union zeigt, dass der Druck innerhalb der Partei wächst. Clara von Nathusius fordert Ehrlichkeit von Friedrich Merz. Sie hätte sich gewünscht, dass der Kanzler in seiner Regierungserklärung klar sagt, wofür „wir als Union“ stehen.

Die Unvereinbarkeitsbeschlüsse zur Disposition

Noch weiter geht Clara von Nathusius bei der Frage nach den Unvereinbarkeitsbeschlüssen der CDU. Diese sollten ihrer Ansicht nach in der bisherigen Form abgeschafft werden. Der Grund: Um dem Bürger wieder klar zu signalisieren, wofür die Partei stehe und nicht nur wogegen.

„Ich glaube, wir haben klare Maßstäbe, wofür die CDU steht. Und die sind in Bund und in Ländern aber auch noch mal anders“, so Clara von Nathusius. Diese Differenzierung zwischen Bundes- und Landesebene ist wichtig. Sie erlaubt regionale Flexibilität, ohne die bundesweite Linie komplett aufzugeben.

Die Generationenfrage in der Union

Die Position von Clara von Nathusius ist auch als Ausdruck eines Generationenkonflikts innerhalb der CDU zu verstehen. Die Junge Union, deren Bundesvorstand sie angehört, vertritt traditionell progressivere Positionen als die Parteibasis.

Doch anders als bei früheren Generationenkonflikten geht es hier nicht um klassische Themen wie Digitalisierung oder Klimapolitik. Im Zentrum steht die Frage nach der strategischen Ausrichtung der Partei im Umgang mit der AfD und nach der personellen Führung durch Friedrich Merz.

Clara von Nathusius macht deutlich: „Mit diesem Bundeskanzler sind keine Wahlen mehr zu gewinnen.“ Auf Nachfrage präzisierte sie, dies bedeute: „Nicht noch mal antreten.“

Ausblick: Was bedeutet das für die CDU?

Die Äußerungen von Clara von Nathusius sind kein Einzelfall. Nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt wächst die innerparteiliche Kritik an Kanzler Merz. Die Frage ist, ob diese Kritik institutionalisiert wird oder ob sie im parteiinternen Diskurs verpufft.

Für die Union stellt sich die Frage nach einem echten Neuanfang. Nicht nur personell, sondern vor allem inhaltlich. Clara von Nathusius hat mit ihrer Offenheit einen wichtigen Impuls gegeben. Ob die Parteiführung diesen aufgreift, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt war ein politisches Erdbeben. Die Nachbeben sind nun in Berlin angekommen. Und Clara von Nathusius ist eine der Stimmen, die nicht ignoriert werden können.

Quellen

»Mit diesem Bundeskanzler sind keine Wahlen mehr zu gewinnen«
JU-Schatzmeisterin Clara von Nathusius attackiert Kanzler Merz scharf

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