07.10.2026
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Eva von Angern setzt im Magdeburger Landtag auf Konfrontation und Verantwortung

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Eva von Angern hat die konstituierende Sitzung des neuen Landtags von Sachsen-Anhalt nicht als gewöhnlichen formellenAuftakt behandelt, sondern als politische Grundsatzrede genutzt. Als Alterspräsidentin kritisierte die Linken-Politikerin den Umgang der AfD mit ihrer neuen Macht, warnte vor einer weiteren Verrohungder parlamentarischen Debatte und appellierte zugleich an alle Fraktionen, ihre Verantwortung ernst zu nehmen.

Ein ungewöhnlicher Auftakt

Die erste Rede einer neuen Wahlperiode besitzt vor allem symbolische Bedeutung. Sie eröffnet nicht nur eine Sitzung, sondern markiert den Beginn einer neuen politischen Kräfteordnung. In Magdeburg fiel diese Aufgabe Eva von Angern zu, weil sie seit 24 Jahren dem Landtag angehört und damit die dienstälteste Abgeordnete ist.

Das Amt der Alterspräsidentin ist zwar zeitlich begrenzt, verleiht der betreffenden Person jedoch für diesen Moment eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit. Eva von Angern nutzte diese Aufmerksamkeit bewusst. Ihre Ansprache war weder eine neutrale Begrüßung noch eine routinierte Verfahrensrede.

Stattdessen verband Eva von Angern die Eröffnung mit einer politischen Warnung. Sie machte deutlich, dass der Beginn der neuen Legislaturperiode nicht von den Konflikten der vergangenen Jahre getrennt werden könne. Der Ton war deshalb so bemerkenswert, weil die AfD nach der Landtagswahl zur stärksten Kraft in Sachsen-Anhalt geworden ist.

Der Partei fehlten nur wenige Stimmen zur absoluten Mehrheit. Diese Ausgangslage verleiht jeder Auseinandersetzung über Geschäftsordnung, Ausschüsse und parlamentarische Rechte ein weit größeres Gewicht als in einem gewöhnlichen Landtag.

Kritik an der AfD und ihren Machtansprüchen

Im Mittelpunkt der Rede stand der Vorwurf, die AfD sei schon vor der ersten Sitzung zu selbstbewusst oder sogar „machttrunken“ aufgetreten. Eva von Angern bezog sich dabei unter anderem auf die Forderung, die Ausschüsse mit zwölf statt mit elf Mitgliedern zu besetzen.

Nach ihrer Darstellung hätte dies der AfD in jedem Ausschuss sechs Sitze verschafft. Dadurch wäre die Partei in der Lage gewesen, gemeinsam mit einer weiteren Fraktion Entscheidungen zu blockieren. Die AfD rückte später von dieser Forderung ab.

Auch die geplante Raumverteilung im Landtag wurde zum Streitpunkt. Eva von Angern warf der AfD vor, SPD und Grüne gegen deren Willen aus dem zentralen Parlamentsgebäude verdrängen zu wollen. Ihre Kritik richtete sich außerdem gegen das Bündnis Sahra Wagenknecht, das aus ihrer Sicht an einer Einschränkung der Rechte etablierter Fraktionen beteiligt gewesen sei.

Diese Details zeigen, worum es in Magdeburg tatsächlich geht. Es geht nicht nur um Sitzplätze, Büros oder die Größe von Ausschüssen. Im Kern steht die Frage, wie eine starke Fraktion ihre politische Stärke interpretiert.

Ein Wahlerfolg verschafft einer Partei mehr Einfluss, aber keinen Freibrief, parlamentarische Regeln nach den eigenen Interessen auszulegen. Gerade in einem Parlament mit einer großen und selbstbewussten Fraktion kann die Zusammensetzung der Ausschüsse darüber entscheiden, wie wirksam Kontrolle, Beratung und Opposition funktionieren.

Eva von Angern wollte offenbar verhindern, dass organisatorische Entscheidungen als nebensächliche Details behandelt werden. Sie stellte sie als ersten Test für die demokratische Kultur der neuen Wahlperiode dar.

Der schwierige Spagat zwischen Abgrenzung und Dialog

Die politische Rolle von Eva von Angern ist dabei nicht frei von Spannungen. In der Vergangenheit hatte sie AfD-Politikern demonstrativ nicht die Hand gegeben. Nun appellierte sie an die Abgeordneten, miteinander im Gespräch zu bleiben und politische Gegner nicht zu entmenschlichen.

Auf den ersten Blick wirkt das widersprüchlich: Einerseits eine klare persönliche und politische Abgrenzung, andererseits der Ruf nach Austausch. Tatsächlich beschreibt dieser Widerspruch ein Grundproblem demokratischer Parlamente.

Abgeordnete müssen politische Positionen scharf kritisieren können, ohne den institutionellen Dialog vollständig abzubrechen. Wer eine Partei wegen umstrittener Aussagen oder eines aggressiven Umgangs mit politischen Gegnern kritisiert, muss dennoch mit deren Abgeordneten über Gesetze, Geschäftsordnungen und konkrete Entscheidungen verhandeln.

Eva von Angern scheint genau diese Trennlinie markieren zu wollen. Sie akzeptiert die AfD als parlamentarische Realität, lehnt jedoch bestimmte Formen ihrer politischen Kommunikation und ihres Machtgebrauchs ab. Das ist etwas anderes als eine politische Annäherung.

In ihrer Rede fand sie trotz der scharfen Kritik auch anerkennende Worte für den teilweise gelungenen Austausch. Diese Nuance ist entscheidend. Ein Parlament funktioniert nicht dadurch, dass alle einander zustimmen. Es funktioniert dadurch, dass Konflikte in geregelten Verfahren ausgetragen werden und politische Gegner als Menschen und Abgeordnete anerkannt bleiben.

„Aus großer Macht folgt große Verantwortung“

Besonders auffällig war das Zitat aus den Spider-Man-Geschichten: „Aus großer Macht folgt große Verantwortung.“ Für eine parlamentarische Eröffnungsrede ist eine Anspielung auf einen Comic ungewöhnlich.

Eva von Angern verband damit jedoch eine klassische politische Botschaft. Je größer der Einfluss einer Fraktion ist, desto größer ist ihre Pflicht, diesen Einfluss nicht rücksichtslos einzusetzen.

Das Zitat war deshalb mehr als ein rhetorischer Effekt. Es richtete sich vor allem an die AfD, galt aber auch den anderen Parteien. Eine starke Fraktion steht unter besonderer Beobachtung. Sie muss zeigen, dass sie Mehrheiten nicht nur organisieren, sondern auch aushalten kann.

Dazu gehören Selbstbegrenzung, Kompromissbereitschaft und Respekt vor den Rechten kleinerer Fraktionen. Eine Partei, die stark gewählt wurde, muss nicht jede Forderung der politischen Konkurrenz akzeptieren. Sie muss aber anerkennen, dass ein Parlament aus unterschiedlichen Stimmen besteht.

Die Warnung vor einer Entmenschlichung politischer Gegner verlieh der Rede eine zusätzliche gesellschaftliche Dimension. Eva von Angern machte deutlich, dass ein aggressiver Ton im Parlament nicht auf den Sitzungssaal beschränkt bleibt.

Wenn Abgeordnete andere Politiker regelmäßig als Feinde, Verräter oder nicht zugehörig darstellen, kann dies auf die öffentliche Debatte abfärben. Die politische Sprache beeinflusst, wie Bürgerinnen und Bürger über demokratische Institutionen und ihre Vertreter denken.

Ein Parlament unter besonderer Beobachtung

Die neue Wahlperiode beginnt unter außergewöhnlichen Bedingungen. Die AfD hat deutlich an Stärke gewonnen und stellt mit Tobias Rausch erstmals in einem deutschen Bundesland den Landtagspräsidenten aus ihren Reihen.

Rausch erhielt in der konstituierenden Sitzung 48 Stimmen. Seine Wahl löste bereits vor dem Amtsantritt politische Debatten aus. Für Eva von Angern verschärft diese Entwicklung die Verantwortung der übrigen Fraktionen.

Sie muss ihre Partei positionieren, ohne den Eindruck zu erwecken, das Parlament allein als Bühne für parteipolitische Abrechnung zu nutzen. Gleichzeitig darf sie aus Sicht ihrer Anhängerinnen und Anhänger nicht schweigen, wenn sie demokratische Standards gefährdet sieht.

Genau hier liegt die politische Herausforderung ihrer Rede. Sie war klar gegen die AfD gerichtet, aber nicht ausschließlich gegen die AfD. Eva von Angern sprach auch über die Verantwortung der Linken, der CDU, der SPD, der Grünen und des BSW.

Alle Parteien müssen beweisen, dass sie institutionelle Regeln nicht nur dann verteidigen, wenn sie ihnen selbst nützen. Das gilt insbesondere für die Sitzordnung, die Ausschussbesetzung und die Redeordnung.

Solche Fragen wirken auf die Öffentlichkeit oft technisch. In Wirklichkeit bestimmen sie, wer gehört wird, wer kontrollieren kann und wer politische Entscheidungen beeinflusst.

Welche Folgen die Rede haben könnte

Kurzfristig dürfte Eva von Angerns Auftritt die politischen Fronten eher sichtbar gemacht als aufgelöst haben. Die AfD könnte die Rede als parteipolitischen Angriff bewerten, während ihre politischen Gegner darin ein notwendiges Signal sehen.

Auch innerhalb der politischen Mitte dürfte die Frage bestehen bleiben, ob die Alterspräsidentin ihr Amt zu stark für politische Kritik genutzt hat. Das Amt verlangt zwar Überparteilichkeit, schließt eine grundlegende politische Botschaft jedoch nicht automatisch aus.

Langfristig könnte die Rede dennoch Wirkung entfalten. Sie setzt einen Maßstab für die neue Legislaturperiode: Die AfD soll ihre Stärke nicht automatisch mit einem Anspruch auf Dominanz verwechseln.

Gleichzeitig werden die übrigen Fraktionen daran gemessen, ob sie ihre Kritik mit demokratischen Verfahren verbinden. Eine politische Mehrheit gegen bestimmte Positionen muss nicht bedeuten, dass der parlamentarische Austausch abbricht.

Für Eva von Angern selbst bedeutet der Auftritt eine doppelte Festlegung. Sie bleibt eine entschiedene Gegnerin der AfD, signalisiert aber zugleich, dass parlamentarischer Kontakt unvermeidbar und notwendig ist.

Der viel diskutierte Wandel – von der verweigerten Hand zur Beschwörung des Austauschs – ist daher weniger ein Sinneswandel als der Versuch, politische Abgrenzung und institutionelle Zusammenarbeit miteinander zu verbinden.

Eine Botschaft über Magdeburg hinaus

Die Rede von Eva von Angern richtet sich nicht nur an die Abgeordneten im Magdeburger Landtag. Sie ist auch ein Hinweis darauf, wie demokratische Parteien künftig mit einer starken AfD umgehen könnten.

Reine Verweigerung reicht im parlamentarischen Alltag nicht aus. Eine demokratische Mehrheit muss Regeln verteidigen, Mehrheiten organisieren und gleichzeitig den Austausch ermöglichen.

Das bedeutet nicht, jede Position zu normalisieren oder jede Forderung als gleichwertig anzuerkennen. Es bedeutet, zwischen politischer Auseinandersetzung und persönlicher Herabwürdigung zu unterscheiden.

Eva von Angern hat diesen Anspruch in ungewöhnlich deutlichen Worten formuliert. Ob daraus eine tragfähige parlamentarische Kultur entsteht, wird sich nicht an dieser einen Rede entscheiden.

Maßgeblich wird sein, wie die Fraktionen in den kommenden Monaten mit kontroversen Anträgen, Ausschüssen und möglichen Regierungsverhandlungen umgehen. Erst dort wird sichtbar werden, ob der Appell zum Dialog mehr war als eine wirkungsvolle Formulierung zum Beginn der Wahlperiode.

Die Suche nach Begriffen wie „Eva Ang“ oder „Eva Duringer“ führt dabei nicht zu eigenständigen politischen Personen, die für diese Debatte relevant wären. Auch private Suchbegriffe wie „Eva von Angern Ehemann“ ändern nichts am politischen Kern des Tages.

Entscheidend war nicht das Privatleben der Politikerin, sondern ihre Rolle als dienstälteste Abgeordnete in einem neu zusammengesetzten und stark polarisierten Parlament. Eva von Angern hat den Ton gesetzt. Nun müssen die Fraktionen zeigen, ob sie bereit sind, diesem Ton eine demokratische Praxis folgen zu lassen.

Quellen

Sie gab AfD-Politikern nicht die Hand. Nun beschwört sie sie
Plötzlich zitiert Alterspräsidentin Eva von Angern im Landtag aus „Spiderman“



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