Während Europas Politik über das Ende des Verbrennungsmotors streitet, erlebt das klassische Benzin- und Dieselauto in China eine Renaissance. Die dortige Mittelschicht kauft nach wie vor hunderttausendfach Fahrzeuge mit traditionellen Antrieben – oft aus deutscher Produktion. Für Hersteller wie Volkswagen, BMW und Mercedes ist der chinesische Markt damit erneut zum wichtigsten Stabilitätsfaktor geworden.
Nach Angaben des China Passenger Car Association (CPCA) stieg der Absatz deutscher Markenfahrzeuge im Jahr 2025 um mehr als 7 Prozent, vor allem dank konventioneller Modelle. Während Elektroautos stagnieren, baut die Volksrepublik ihre Exportquoten für Hybrid- und Verbrennerfahrzeuge sogar weiter aus.
Das „Aus vom Aus“: Politischer Richtungswechsel in Europa
Die wieder aufkommende Diskussion über ein mögliches Aufweichen des Verbrenner-Verbots ab 2035 in der EU hat für Verunsicherung gesorgt. Politikerinnen und Politiker, allen voran aus der FDP und Teilen der CDU, fordern technologieoffene Lösungen, darunter synthetische Kraftstoffe (E-Fuels) und hybride Modelle.
Gegner des Kurswechsels warnen allerdings vor einem Rückschritt bei der Transformation der Industrie. Die EU-Kommission hält bislang am Ziel fest, bis 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen zuzulassen – doch einzelne Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland und Italien, drängen auf Ausnahmen.
Plug-in-Hybride: Rettung oder Rückschritt?
Plug-in-Hybride galten einst als Brückentechnologie, um die Wende hin zur Elektromobilität sozialverträglich zu gestalten. Inzwischen aber wird deutlich: Viele Modelle fahren mehr mit Benzin als mit Strom, da Nutzer sie kaum laden. Studien des Fraunhofer ISI zeigen, dass reale CO₂-Einsparungen häufig nur bei 20–40 Prozent liegen – weit entfernt vom theoretischen Ideal.
Trotzdem versprechen sich Hersteller durch die verlängerte Übergangsphase starke Absatzchancen. Für 2025 rechnen Analysten des Center Automotive Research (CAR) mit einem deutlichen Plus bei PHEV-Zulassungen in Deutschland, nachdem Kaufanreize für reine Elektroautos reduziert wurden.
Chinas strategischer Vorteil
China könnte sich durch Europas Zögern einen entscheidenden Vorsprung sichern. Einerseits dominiert das Land die Batterieproduktion und den Export von E-Autos, andererseits hält es parallel an der Produktion effizienter Verbrennungsmotoren fest.
„China fährt zweigleisig – und wird so von beiden Märkten profitieren“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Während Europa über Übergangsfristen debattiert, positionieren sich chinesische Hersteller wie BYD und Geely flexibel für jede Marktentwicklung.
Fazit: Zwischen industriepolitischer Hoffnung und globalem Risiko
Das geplante Aus vom Verbrenner-Aus könnte kurzfristig Entlastung für die deutsche Autoindustrie bringen – langfristig droht jedoch eine gefährliche Abhängigkeit. Wenn Europa seine Klimaziele verwässert, während China strategisch beide Technologien weiterentwickelt, riskiert Deutschland nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Rückschritte.
Quellen
Das Geschäft mit Verbrennern brummt. Für China.
Verbrenner-Aus 2035: für Gesundheit und Klima

