02.11.2026
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Skoda Peaq 90x: Der große Elektro-Siebensitzer verändert Skodas Rolle im Familienauto-Markt

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© 2026 autozeitung

Skoda Peaq heißt das neue Flaggschiff der tschechischenMarke – und es ist weit mehr als ein weiterer großer Stromer. Mit 4,87 Metern Länge, sieben Sitzplätzen und einer bislang in Europanicht eingesetzten Weiterentwicklung des VW-Elektro-Baukastens positioniert sich der Peaq als Familien-SUV für alle, die Platz, Reichweite und Komfort wichtiger finden als sportliche Attitüde. Gerade weil Skodamit Skoda Kodiaq und Skoda Karoq jahrelang für vernünftige, geräumige Verbrenner und Hybrid-Modelle stand, ist der Schritt in diese Klasse ein strategisch interessanter Moment. Der Skoda Peaq 90x zeigt nun, wie weit die Marke bereit ist, ihre gewohnten Muster zu verlassen.

Wer den Peaq zum ersten Mal sieht, erwartet zunächst keinen typischen Skoda. Der Wagen wirkt neither rein als SUV noch als Van, sondern als hochgebauter Familien transporter mit weichen Kanten, langer Motorhaube und einer Silhouette, die eher an ein modernes Raumkonzept erinnert als an ein klassisches Geländewagen-Design. Das ist kein Zufall: Skoda will mit diesem Modell nicht nur das eigene Programm nach oben ergänzen, sondern eine Zielgruppe ansprechen, für die ein Skoda Kodiaq bisher oft die logische Wahl war – große Familien, Vielfahrer, Wohnmobil-Nutzer und alle, die gelegentlich sieben Personen sowie Gepäck transportieren müssen.

Ein neues Gesicht für Skoda

Der Skoda Peaq bricht bewusst mit der optischen Sprache von Enyaq und Elroq. Während diese Modelle eher kompakt, kantig und funktional auftreten, wirkt der Peaq weicher, ruhiger und deutlich luxuriöser. Das ist ein kluger Schachzug. Skoda hat sich in Europa den Ruf erarbeitet, mehr Auto fürs Geld zu bieten, doch im Premium-Umfeld war die Marke bislang selten mit einem echten großen Elektro-Familienfahrzeug vertreten. Der Peaq soll diese Lücke schließen.

Interessant ist dabei die technische Herkunft. Unter der Haut arbeitet keine völlig neue Architektur, sondern eine spezielle, zuvor vor allem in China eingesetzte Ausbaustufe des modularen Elektro-Antriebs-Baukastens von Volkswagen. Das klingt zunächst nach einem Detail für Ingenieure, hat aber praktische Bedeutung: Volkswagen hat in China gelernt, Elektroautos schneller, effizienter und kostengünstiger für große Fahrzeugklassen zu entwickeln. Dass diese Erfahrung nun in einem europäischen Skoda ankommt, zeigt, wie stark sich die Konzernlogik verschoben hat. China ist nicht mehr nur Absatzmarkt, sondern zunehmend auch Entwicklungsumfeld für Technologien, die später in Europa relevant werden.

Für Käufer bedeutet das vor allem eines: Der Skoda Peaq fühlt sich nicht an wie ein notdürftig vergrößerter Enyaq. Sitzkomfort, Materialanmutung, Geräuschkulisse und Raumkonzept sind auf ein anderes Nutzungsszenario ausgelegt. Der Wagen will nicht sportlich wirken, sondern langstreckentauglich, entspannt und alltagstauglich sein.

Innenraum mit Lounge-Charakter

Im Inneren wird der Anspruch sofort greifbar. Die Vordersitze des Skoda Peaq 90x in der Sportline-Version sind weniger auf Seitenhalt ausgelegt als auf Entspannung. Elektrisch ausfahrbare Beinauflagen, Massagefunktion und zahlreiche Verstellmöglichkeiten verwandeln den Fahrerplatz in eine Art Lounge. Das mag auf den ersten Blick übertrieben erscheinen, ist aber genau auf die Realität des Elektroalltags zugeschnitten: Wer an einer Schnellladestation wartet, kann die Pause nutzen, statt unruhig im Sitz zu verharren.

Diese Denkweise ist wichtiger, als sie zunächst klingt. Elektroautos verändern nicht nur den Antrieb, sondern auch die Pausenstruktur einer Reise. Statt eines kurzen Tankstopps entsteht ein regelmäßiger Rhythmus aus Fahren, Laden und Entspannen. Skoda übersetzt dieses Verhalten in ein Interieur, das die Ladepause nicht als Unterbrechung, sondern als Teil der Reise begreift.

Hinter den Vordersitzen zeigt sich der eigentliche Grund, warum der Skoda Peaq für Familien interessant ist. In der Siebensitzer-Konfiguration bietet die zweite Reihe viel Verstellfreiheit, sodass auch erwachsene Passagiere vernünftig Platz finden. Die dritte Reihe ist natürlich kein Dauersitzplatz für große Erwachsene, aber für Kinder, Jugendliche oder gelegentliche Mitfahrer völlig brauchbar. Damit positioniert sich der Peaq klar gegen kompakte Siebensitzer, bei denen die hinterste Reihe meist nur als Notlösung taugt.

Gegenüber dem verbrennungsbetriebenen Skoda Kodiaq hat der Peaq den Vorteil eines flachen Bodens und eines durchgehend elektrischen Antriebs. Dafür muss man bei einem voll besetzten Fahrzeug mit Gepäck realistischer rechnen: Der Kofferraum schrumpft mit aufgestellter dritter Reihe auf ein kompaktes Maß. Wer regelmäßig sieben Personen und großen Urlaubskoffer-Transport kombiniert, sollte den Peaq daher vor dem Kauf genau im Alltag prüfen.

Komfort statt Kurvenrausch

Der Skoda Peaq 90x ist mit zwei Elektromotoren und Allradantrieb ausgestattet. Systemleistung, Beschleunigung und Drehmoment klingen auf dem Papier beeindruckend, doch das Fahrzeug macht keinen Hehl daraus, dass Dynamik nicht seine wichtigste Disziplin ist. Mit rund 2,4 Tonnen Leergewicht bewegt sich der Peaq souverän, ruhig und kontrolliert, aber eben nicht verspielt.

Das ist keine Schwäche, sondern eine bewusste Entscheidung. Ein Familien-SUV dieser Größe lebt davon, lange Strecken ohne Ermüdung zu bewältigen. Der Peaq federt Unebenheiten gelassen weg, arbeitet leise und vermittelt auch auf Autobahnen ein Gefühl von Stabilität. Wer dagegen einen sportlichen Elektro-SUV sucht, wird in dieser Klasse ohnehin eher bei leistungsstärkeren oder aerodynamisch günstigeren Modellen fündig.

Die Abstimmung passt zum Charakter des Wagens. Der Skoda Peaq ist kein Fahrzeug für enge Landstraßen-Kurvenorgien, sondern für den Weg zum Ferienhaus, den Wochenendtrip mit Fahrrad- oder Dachbox, den Familienausflug und den Pendleralltag. Gerade die Kombination aus ruhigem Fahrwerk, großem Akku und komfortabler Sitzanlage macht ihn zu einem ernsthaften Kandidaten für Vielfahrer.

Verbrauch, Reichweite und Laden

Beim Verbrauch zeigt sich der Spagat zwischen Normwert und Realität besonders deutlich. Unter günstigen Bedingungen kann der Skoda Peaq sehr effizient fahren, doch zügige Autobahnabschnitte treiben den Bedarf schnell nach oben. Im Test lag der Durchschnitt bei etwa 21,4 kWh pro 100 Kilometern, was rund 400 Kilometern Reichweite entspricht. Die offiziellen Werte versprechen deutlich mehr, gelten aber für moderates Tempo und ideale Bedingungen.

Das ist kein Skoda-spezifisches Problem, sondern ein grundsätzliches Thema großer, schwerer Elektro-SUVs. Aerodynamik, Gewicht, Reifen und Geschwindigkeit bestimmen bei Elektrofahrzeugen weit stärker den Verbrauch als bei Verbrennern. Wer den Skoda Peaq 90x vor allem im Stadt- und Überlandverkehr nutzt, wird mit der Reichweite zufrieden sein. Wer regelmäßig mit Tempo 160 oder mehr auf der Autobahn unterwegs ist, sollte die Ladeinfrastruktur entlang seiner Routen genau kennen.

Positiv fällt das Schnellladen in der unteren Ladekurve auf. Mit knapp 200 kW lädt der Peaq zunächst zügig, sodass ein Stopp von zehn auf 80 Prozent in rund einer halben Stunde möglich ist. Danach wird das Tempo jedoch merklich langsamer. Für Familien bedeutet das: Eine geplante Ladepause passt gut in den Reiseablauf, aber wer möglichst kurze Stopps bevorzugt, muss die Routenplanung etwas sorgfältiger gestalten.

Preisfrage und Marktposition

Der Einstieg in den Skoda Peaq beginnt bei etwa 49.900 Euro. Das klingt für ein großes Elektro-SUV zunächst attraktiv, doch die Ausstattung entscheidet. Der getestete Skoda Peaq 90x Sportline mit großem Akku, Allradantrieb und Komfortausstattung bewegt sich deutlich über 70.000 Euro. Damit verlässt Skoda endgültig das Bild des reinen Preisbrechers.

Das ist riskant, aber konsequent. Skoda kann nicht ewig ausschließlich über den Preis wachsen. Mit dem Skoda Peaq versucht die Marke, in einem Segment Fuß zu fassen, in dem Kunden bereit sind, für Raum, Komfort und Technologie mehr zu zahlen. Ob das gelingt, hängt davon ab, ob Käufer den Peaq als hochwertige Alternative zu deutschen Premium-SUVs wahrnehmen – oder als zu teuren Skoda.

Verglichen mit dem Skoda Kodiaq ist der Peaq kein direkter Ersatz. Der Kodiaq bleibt für Käufer interessant, die Anhängelast, schnelles Tanken, bekannte Technik und eine große Auswahl an Antrieben schätzen. Der Peaq richtet sich an die wachsende Gruppe, die elektrisch fahren will, aber nicht auf sieben Sitze, Zugkraft oder Langstreckentauglichkeit verzichten möchte.

Was der Peaq für Skoda bedeutet

Der Skoda Peaq ist deshalb wichtiger, als seine Verkaufszahlen allein vermuten lassen. Er testet, ob Skoda sich über das Image des vernünftigen Volumenherstellers hinausentwickeln kann. Zugleich zeigt er, wie Volkswagen-Konzernmodelle künftig entstehen könnten: mit chinesischer Entwicklungserfahrung, europäischer Markenanpassung und einem Fokus auf Raum, Effizienz und Komfort.

Für Käufer ist der Skoda Peaq 90x vor allem eines: ein ernstzunehmendes Elektro-Familienauto, das nicht versucht, jedes Problem auf einmal zu lösen. Er ist kein Sportwagen, kein Offroader und kein Billigangebot. Er ist ein großzügiger, komfortabler Siebensitzer mit ausreichend Reichweite für den Alltag und genug Raum für den Familienalltag. Wer einen Skoda Kodiaq bisher wegen seiner Größe und Flexibilität mochte, aber den Schritt zur E-Mobilität suchen will, findet im Peaq eine überzeugende neue Option.

Quellen

Skoda Peaq 90x im Test: Neue Wege für einen Riesen
Elektro-Flaggschiff mit über 600 km Reichweite


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