Im Iran haben die landesweiten Proteste erneut zahlreiche Opfer gefordert. Nach Angaben iranischer Aktivisten sollen seit Beginn der jüngsten Demonstrationswelle mindestens 35 Menschen ums Leben gekommen sein. Unter den Toten befinden sich laut Berichten 29 Demonstranten und vier Kinder. Die staatlichen Behörden haben diese Zahlen bislang weder bestätigt noch kommentiert.
Die Proteste, die sich seit mehreren Tagen ausbreiten, sollen sich ursprünglich gegen soziale Ungerechtigkeit und steigende Lebenshaltungskosten gerichtet haben. Inzwischen haben sie sich jedoch zu einer breiteren Bewegung gegen die Regierungspolitik entwickelt.
Über 1.200 Festnahmen gemeldet
Neben den Todesopfern berichten Aktivisten auch von über 1.200 Festnahmen landesweit. Betroffen seien vor allem junge Demonstranten, darunter auch Studierende und Frauenrechtsaktivistinnen. Internationale Organisationen äußern inzwischen „tiefe Besorgnis“ über das rigorose Vorgehen der Sicherheitskräfte.
Die in Oslo ansässige Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHR) sprach in einer Erklärung von „exzessiver Gewaltanwendung durch iranische Sicherheitskräfte gegen friedliche Demonstranten“. Videos in sozialen Netzwerken zeigen Sicherheitskräfte, die Tränengas, Wasserwerfer und scharfe Munition einsetzen.
Internationale Reaktionen und Forderungen nach Untersuchung
Mehrere westliche Regierungen, darunter Deutschland und die USA, haben das gewaltsame Vorgehen gegen Demonstrierende scharf kritisiert. Das Auswärtige Amt in Berlin forderte „eine unabhängige Untersuchung der Todesfälle sowie die sofortige Freilassung der inhaftierten Personen“.
Auch die Vereinten Nationen haben eine Überprüfung der Ereignisse angeregt. „Die Verantwortlichen für die Menschenrechtsverletzungen müssen zur Rechenschaft gezogen werden,“ sagte ein Sprecher des UN-Menschenrechtsrats in Genf.
Langandauernde Unruhen im Land
Die neuen Proteste erinnern an die massiven landesweiten Demonstrationen der vergangenen Jahre, die immer wieder durch wirtschaftliche Krisen, politische Repressionen und Einschränkungen der Freiheitsrechte ausgelöst wurden. Analysten warnen vor einer weiteren Eskalation, falls die iranischen Behörden keine Deeskalationsmaßnahmen einleiten.
Quellen
Laut Aktivisten mindestens 35 Tote bei Protesten
Iranische Aktivisten melden 29 Tote und 1200 Festnahmen