Ein nigerianisches Gericht hat Großbritannien zur Zahlung von 420 Millionen Pfund an die Familien von 21 Bergarbeitern verurteilt, die 1949 von Kolonialpolizei getötet wurden. Das Urteil aus Enugu unterstreicht die anhaltende Verantwortung für koloniale Verbrechen und fordert eine formelle Entschuldigung. Es markiert einen Meilenstein in der Auseinandersetzung mit der britischen Kolonialgeschichte.
Das Massaker von Iva Valley 1949
Am 18. November 1949 protestierten rund 1.500 Bergarbeiter friedlich in der Iva-Valley-Kohlenmine in Enugu gegen schlechte Arbeitsbedingungen, rassistische Lohnungleichheiten und unbezahlte Löhne. Der britische Polizeichef F.S. Philip befahl das Feuer auf die unbewaffneten Arbeiter, die rote Tücher als Solidaritätszeichen trugen; 21 starben, darunter Sunday Anyasado und Livinus Okechukwuma, weitere 51 wurden verletzt. Das Ereignis gilt als eines der brutalsten Unterdrückungshandlungen der britischen Kolonialherrschaft und befeuerte die Unabhängigkeitsbewegung Nigerias.
Das Gerichtsurteil im Detail
Justice Anthony Onovo vom High Court in Enugu urteilte am 5. Februar 2026, dass die britische Kolonialverwaltung für den „unrechtmäßigen und außergerichtlichen Verstoß gegen das Recht auf Leben“ haftet. Jede der 21 Familien soll 20 Millionen Pfund erhalten, zuzüglich 10 Prozent Zinsen jährlich bis zur vollständigen Zahlung innerhalb von 90 Tagen. Das Gericht forderte zudem eine öffentliche Entschuldigung in nigerianischen und britischen Zeitungen sowie diplomatische Schritte durch die nigerianische Regierung.
Hintergrund und historische Bedeutung
Die Iva-Valley-Mine, britisch betrieben, war für katastrophale Bedingungen bekannt; die Arbeiter besetzten die Anlage, um Sprengstoffevakuierungen zu verhindern, was zur Eskalation führte. Das Massaker löste landesweite Empörung aus und stärkte Gewerkschaften sowie Nationalisten wie die Zikisten. Nigeria wurde 1960 unabhängig, doch Forderungen nach Gerechtigkeit hielten Jahrzehnte an, initiiert von Aktivist Greg Onoh.
Reaktionen und Ausblick
Großbritannien war nicht vertreten und hat sich bisher nicht geäußert. Die nigerianische Regierung muss nun diplomatisch handeln, was Verfassungsverpflichtungen nach sich zieht. Anwälte wie Yemi Akinseye-George feiern das Urteil als Triumph der historischen Verantwortung. Es könnte Präzedenz für weitere Reparationsforderungen schaffen.
Quellen
Nigerianisches Gericht verurteilt Großbritannien zur Zahlung von 420 Millionen Pfund wegen der Ermordung von Bergarbeitern im Jahr 1949
Gericht verurteilt Großbritannien zur Zahlung von 420 Millionen Pfund an die Familien der getöteten nigerianischen Bergleute