Mehr als hundert Jahre nach dem Landraub durch koloniale Mächte und spätere Apartheidstrukturen fordern nun mehrere südafrikanische Gemeinschaften ihr rechtmäßiges Diamantenland zurück. Im nördlichen Teil des Landes – besonders in der heutigen Provinz Northern Cape – wurden ganze Dörfer im 19. und 20. Jahrhundert von britischen und später südafrikanischen Unternehmen enteignet, um an den enormen Reichtum der Diamantfelder zu gelangen.
Diese Regionen, einst von indigenen Gruppen wie den Nama und Griqua bewohnt, bilden heute das Zentrum der südafrikanischen Diamantenindustrie. Unternehmen wie De Beers haben über Jahrzehnte Milliardenprofite erzielt – während die ursprünglichen Besitzer kaum Entschädigung erhielten.
Der lange Schatten der Kolonialgeschichte
Die Geschichte dieses Landraubs reicht bis ins Jahr 1871 zurück, als die ersten großen Diamantenfelder in Kimberley entdeckt wurden. Koloniale Behörden erklärten das Gebiet kurzerhand zur „Crown Land“, wodurch indigene Völker entrechtet wurden.
Während der Apartheid wurde der Zugang zu wertvollem Land zusätzlich durch Gesetze wie den Native Land Act von 1913 beschränkt. Diese Gesetze machten es Schwarzen Südafrikanern nahezu unmöglich, Land zu besitzen – ein Erbe, das sich bis heute in wirtschaftlicher Ungleichheit fortsetzt.
Rückgabeprogramme und juristische Kämpfe
Seit dem Ende der Apartheid bemüht sich die südafrikanische Regierung um Landrückführungen. Über die Commission on Restitution of Land Rights wurden bereits hunderte Anträge eingereicht, doch viele laufen seit Jahrzehnten.
Aktuell kämpfen mehrere Gemeinschaften in der Region um Entschädigung oder Rückgabe ihres ehemaligen Diamantenlandes, darunter die Richtersveld-Gemeinschaft, die 2003 in einem historischen Urteil vom Verfassungsgericht einen Teil ihres Landes zurückerhielt – inklusive Lizenzrechte an zukünftigen Bergbauerlösen. Dieses Urteil gilt als Meilenstein für indigene Landrechte in Afrika.
Zwischen Gerechtigkeit und wirtschaftlichem Interesse
Während Aktivisten die vollständige Rückgabe fordern, warnen Unternehmen und Regierungsvertreter vor ökonomischen Risiken. Die Region bleibt für den Export bedeutsam: Südafrika gehört zu den Top-10-Diamantenproduzenten weltweit.
Doch für viele Bewohner geht es nicht um Wirtschaft, sondern um Würde und historische Gerechtigkeit. „Es geht nicht um Reichtum, sondern um unser Erbe“, sagt eine Sprecherin der Nama in Garies. „Unsere Vorfahren haben hier gelebt, bevor jemand an Diamanten dachte.“
Ausblick: Landreform als Prüfstein moderner Demokratie
Das Thema Landrückgabe ist ein Prüfstein für Südafrikas Demokratie. Trotz politischer Versprechen bleibt Fortschritt langsam. Experten sehen im Erfolg künftiger Rückführungen nicht nur eine Frage wirtschaftlicher Stabilität, sondern auch der nationalen Versöhnung.
Nur wenn Land und Ressourcen gerechter verteilt werden, könne das Kapitel „Diamanten und Ungerechtigkeit“ eines Tages geschlossen werden.
Quellen
Ihr diamantenreiches Land in Südafrika wurde ihnen weggenommen. Jetzt wollen sie es zurückhaben.
Der Preis des Glanzes: Wie Südafrikaner ihr gestohlenes Diamantenerbe zurückfordern