Während Tausende Immigrantinnen und Immigranten in den USA kurz davorstanden, die letzten Schritte ihrer Einbürgerung abzuschließen, zog die Regierung von Donald Trump 2020 plötzlich die Notbremse. Zahlreiche Citizenship-Zeremonien wurden damals kurzfristig abgesagt – ein Schritt, der viele Betroffene in rechtlicher und emotionaler Unsicherheit zurückließ.
Der plötzliche Stopp der Zeremonien
Im Frühjahr 2020, offiziell begründet mit pandemiebedingten Sicherheitsmaßnahmen, setzte das US-Heimatschutzministerium (Department of Homeland Security, DHS) nahezu alle öffentlichen Einbürgerungszeremonien aus. Laut Recherchen der New York Times und von NBC News traf dieser Schritt landesweit rund 100.000 Antragsteller, die ihre Prüfungen und Sicherheitschecks bereits bestanden hatten und nur noch auf den symbolischen Eid warteten.
Kritiker warfen der Trump-Regierung vor, die Krise als Vorwand genutzt zu haben, um legale Migration weiter zu verlangsamen – ein Kernpunkt der damaligen republikanischen Agenda.
Juristische Hürden und menschliche Folgen
Viele Kandidaten verloren in dieser Zeit ihren rechtlichen Status und damit verbundene Rechte – etwa Arbeits- oder Aufenthaltsgenehmigungen. Bürgerrechtsorganisationen wie die American Civil Liberties Union (ACLU) und National Partnership for New Americans dokumentierten zahlreiche Fälle, in denen Menschen ihre Jobs oder Studienplätze verloren, weil ihre Einbürgerung auf unbestimmte Zeit ausgesetzt wurde.
Für viele sei das, so der Einwanderungsanwalt David Bier vom Cato Institute, „ein psychologisch massiver Schlag gewesen – sie waren Amerikaner im Herzen, aber das Land ließ sie draußen stehen“ .
Politische Dimension
Die Maßnahme passte in das übergeordnete Muster der Einwanderungspolitik Trumps, die auf Abschreckung und Reduktion abzielte. Neben verschärften Asylverfahren wurden Visaprogramme reduziert und bürokratische Hürden erhöht. Erst unter Präsident Joe Biden normalisierte sich das Verfahren wieder, und viele der ausgesetzten Zeremonien wurden nachgeholt .
Ein verlorener Moment
Für die Betroffenen blieb jedoch ein bitterer Nachgeschmack. Die Citizenship-Zeremonie gilt in den USA als feierlicher Abschluss eines oft jahrelangen Prozesses – ein Moment, der den persönlichen Traum vom „American Dream“ symbolisch krönt. Dass dieser Moment politischen Entscheidungen zum Opfer fiel, empfanden viele als persönlichen Verrat.
Quellen
Sie waren fast Amerikaner – dann hat Trump ihre Einbürgerungszeremonien abgesagt.
„Ich war kurz vor dem Ziel“: Menschen werden aufgrund von Trumps neuen Einwanderungsmaßnahmen von ihren Einbürgerungszeremonien ausgeschlossen.