US‑Präsident Donald Trump hat auf seinem eigenen Netzwerk Truth Social ein KI‑generiertes Video geteilt, das Barack und Michelle Obama mit Affenkörpern zeigt, vor einer Dschungelkulisse und unterlegt mit dem Lied „The Lion Sleeps Tonight“. Das 62‑sekündige Video beginnt mit bekannten Wahlbetrugs‑Behauptungen zur Präsidentschaftswahl 2020; erst in den letzten Sekunden erscheinen die Obamas als Affen in einer szenisch abgefärbten Szene.
Der Beitrag löste in den USA umgehend massive Empörung aus und wurde kurz darauf wieder gelöscht. Die Darstellung Schwarzer Menschen als Affen ist in den USA stark rassistisch codiert und wird als Ausdruck von historisch belastetem Rassismus verstanden.
Ursprung und KI‑Herkunft des Clips
Faktencheck‑Recherchen der Deutschen Presse‑Agentur (dpa) ergaben, dass der Ausschnitt mit den Obamas vermutlich aus einem früheren, längeren KI‑Video stammt, das bereits im Herbst 2025 kursierte. In diesem Video werden mehrere demokratische Politiker als Tiere dargestellt; Trump hat jedoch nur den Teil mit den Obamas ausgeschnitten, obwohl er 2020 gegen Joe Biden angetreten war.
Die rassistische Schlussszene ist offensichtlich künstlich generiert und folgt dem Muster populistischer Online‑Kampagnen, die Wahl‑Conspiracys und politische Feindbilder verbinden.
Reaktionen aus Politik und Medien
Das Video wurde parteiübergreifend kritisiert. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom sprach von „widerlichem Verhalten“ und forderte alle Republikaner auf, Trumps Post klar zu verurteilen. Auch aus den eigenen Reihen der Republikaner kam deutliche Distanz: Der schwarze Senator Tim Scott nannte es das „Rassistischste“, was er bisher aus diesem Weißen Haus gesehen habe.
Medien wie Al Jazeera, CNN und US‑Nachrichtensender beschrieben die Darstellung als offen rassistisch und betonten, dass die Verbreitung solcher Bilder die politische Kultur in den USA weiter vergiftet.
Reaktionen aus dem Weißen Haus und Trumps Linie
Zunächst wurde erklärt, der Beitrag sei „fälschlicherweise“ von einem Mitarbeiter des Weißen Hauses veröffentlicht worden und sei inzwischen gelöscht. Trump selbst äußerte sich später und betonte, er habe das Video nicht vollständig gesehen, sondern nur den Teil über angeblichen Wahlbetrug 2020.
Auf Nachfrage, ob er sich entschuldigen werde, lehnte Trump dies ab und behauptete, er habe „nichts falsch gemacht“, obwohl er die rassistische Szene grundsätzlich ablehnte. Damit verschafft er sich gleichzeitig die Deutungshoheit, tritt aber nicht für die Verantwortung der Verbreitung des Clips ein.
Bedeutung für Social‑Media‑Ökosysteme
Der Fall zeigt, wie schnell KI‑generierte rassistische Inhalte über politische Netzwerke in den Hauptstrom rutschen können, selbst wenn sie zunächst nur in längeren Propaganda‑Clips verborgen sind. Plattformen wie Truth Social, Twitter‑ähnliche Netzwerke und KI‑Video‑Tools geraten in den Fokus, weil sie solche Inhalte politisch instrumentalisiert weiterverbreiten.
Zugleich wird deutlich, wie wichtig Faktenchecks und Social‑Media‑Recherchen sind, um die Quellen solcher Clips zu identifizieren und die Verantwortung – auch politische Verantwortung – zu benennen.
Fazit: Ein weiterer Rassismus‑Skandal im Zeitalter der KI
Trump hat mit dem Video über die Obamas eine Grenze erneut überschritten, die vielen Beobachtern zuvor als „unterste“ erschien. Die Kombination aus Wahlbetrugs‑Narrativen, politischer Feindbild‑Konstruktion und KI‑visuellen Rassismus markiert einen neuen Abschnitt in der US‑Politik, in dem virale Clips mehr zählen als klare moralische Linien.
Für Social‑Media‑ und Web‑Recherchen bleibt dieser Fall ein Musterbeispiel: Wie schnell ein unscheinbarer Ausschnitt im Netz zum politischen Skandal wird, wer dafür verantwortlich zeichnen kann – und wie lange es dauert, bis solche Inhalte öffentlich benannt und zurückgenommen werden.
Quellen
“Ich habe keinen Fehler gemacht”
Trumps rassistischer Beitrag über die Obamas wird nach heftigen Reaktionen gelöscht, obwohl das Weiße Haus ihn zuvor verteidigt hatte.