Kimolos steht nach dem Tod des 17-jährigen Iren Alex McKee unter Schock. Der Jugendliche starb am 9. August während eines Urlaubs auf der griechischen Insel offenbar durch einen Stromschlag beim Duschen. Nun richtet sich der Blick nicht nur auf einen möglichen Defekt am Warmwasserbereiter, sondern auch auf die Verantwortung von Eigentümern, Vermietern, Prüfern und Behörden.
Der Fall zeigt ein Problem, das weit über Kimolos hinausreicht: In beliebten Ferienregionen werden alte Gebäude häufig saisonal vermietet, obwohl ihre elektrische Infrastruktur möglicherweise nicht mit der heutigen Nutzung Schritt gehalten hat. Gerade Badezimmer, Außenbereiche und elektrische Warmwassergeräte gelten als besonders sensible Bereiche. Wo Wasser und Strom zusammentreffen, können kleine Fehler lebensgefährliche Folgen haben.
Eine Tragödie im Ferienhaus
Alex McKee stammte aus Cork und war gemeinsam mit seiner Familie nach Kimolos Griechenland gereist. Die Familie kannte die Insel gut, weil Alex’ Mutter dort geboren wurde und die Angehörigen regelmäßig in dem mehr als 50 Jahre alten Steinhaus übernachteten.
Nach den bisherigen Ermittlungsangaben griff der Jugendliche in dem als einfach und teilweise im Freien gelegenen Badezimmer nach dem Duschkopf. Dabei soll es zu einem tödlichen Stromschlag gekommen sein. Eine Obduktion auf dem griechischen Festland bestätigte nach den vorliegenden Berichten, dass ein elektrischer Schlag die Todesursache war. Die genaue technische Ursache ist jedoch weiterhin Gegenstand der Untersuchung.
Besonders erschütternd ist der Hinweis, dass auch Alex’ Mutter einen elektrischen Impuls gespürt haben soll, als sie ihrem Sohn zu Hilfe kommen wollte. Ein Arzt auf der Insel soll sie deshalb angewiesen haben, sofort die Hauptstromversorgung abzuschalten. Dieser Umstand könnte für die Ermittler wichtig sein: Er deutet möglicherweise darauf hin, dass nicht nur ein einzelnes Gerät, sondern ein größerer Teil der Installation unter Spannung stand.
Für die Familie ist der Verlust nicht nur deshalb schwer, weil Alex so jung war. Der Schüler galt in Irland als außergewöhnlich talentiert. Gemeinsam mit zwei Mitschülern hatte er ein Kommunikationssystem für Menschen mit nonverbaler Autismus-Spektrum-Störung entwickelt und dafür bei einer renommierten Wissenschafts- und Technologieausstellung Anerkennung erhalten. Politiker und Vertreter aus Cork würdigten ihn als engagierten jungen Menschen mit großen Zukunftsaussichten.
Was die Ermittler prüfen
Die griechische Polizei hat das betreffende Haus abgesperrt und einen unabhängigen Sachverständigen mit der Untersuchung der elektrischen Anlage beauftragt. Im Mittelpunkt stehen der elektrische Warmwasserbereiter, die Verkabelung und der Sicherungskasten.
Eine mögliche Erklärung wäre ein Isolationsfehler im Warmwassergerät. Wenn Strom aus einem beschädigten Bauteil oder einer fehlerhaften Leitung in das Wasser oder in ein metallisches Gehäuse gelangt, kann der Duschkopf gefährlich unter Spannung stehen. Entscheidend ist dann, ob die Schutzmaßnahmen funktionieren: Eine ordnungsgemäße Erdung und ein Fehlerstromschutzschalter können die Stromzufuhr unterbrechen, bevor ein Mensch schwer verletzt wird.
Ein Fehlerstromschutzschalter erkennt, wenn ein Teil des Stroms nicht über den vorgesehenen Rückweg fließt, sondern beispielsweise über ein Gehäuse, eine Leitung oder den Körper eines Menschen. Ein korrekt installierter Schutzschalter kann die Stromversorgung innerhalb kürzester Zeit unterbrechen und dadurch schwere Verletzungen verhindern.
Das Vorhandensein eines solchen Geräts beweist allerdings noch nicht, dass eine Anlage sicher ist. Der Schutzschalter muss korrekt installiert, mit der Erdung verbunden und regelmäßig getestet werden. Auch beschädigte Kabel, fehlerhafte Schutzleiter, schlechte Verbindungen oder veraltete Sicherungskästen können Risiken schaffen. Die Ermittler müssen daher klären, welche Komponenten vorhanden waren, ob sie funktionierten und ob die Anlage fachgerecht gewartet wurde.
Das Zertifikat im Mittelpunkt
Der Fall nimmt eine zusätzliche Wendung, weil im Jahr 2024 eine elektrische Installationsbescheinigung für das Gebäude ausgestellt worden sein soll. Berichten zufolge soll der Bürgermeister von Kimolos, der beruflich als Elektriker tätig ist, diese Installation unterschrieben haben. Die Polizei prüft nun auch dieses Dokument und die Umstände, unter denen es ausgestellt wurde.
Dabei gilt die Unschuldsvermutung. Ein Zertifikat bedeutet nicht automatisch, dass eine Person für den Tod verantwortlich ist. Zunächst muss festgestellt werden, welche Prüfung tatsächlich vorgenommen wurde, welche technischen Unterlagen vorlagen und ob die Installation zum Zeitpunkt der Kontrolle den geltenden Vorschriften entsprach.
Dennoch berührt dieser Aspekt eine zentrale Schwachstelle vieler Ferienmärkte: Sicherheitsdokumente können zu einer Formalität werden, wenn sie nicht durch eine gründliche praktische Kontrolle ergänzt werden. Eine Bescheinigung, die lediglich den Zustand an einem bestimmten Tag abbildet, kann keine dauerhafte Sicherheit garantieren.
Elektrische Anlagen altern, besonders in feuchten und salzhaltigen Küstenregionen. Leitungen, Schalter und Geräte können durch Hitze, Feuchtigkeit, Korrosion oder unsachgemäße Reparaturen beeinträchtigt werden. Ein System, das bei einer früheren Kontrolle unauffällig war, kann später erhebliche Mängel aufweisen.
Die Familie von Alex hat angekündigt, rechtliche Schritte einzuleiten. Die Ermittlungen müssen nun feststellen, ob fahrlässiges Verhalten, eine unzureichende Prüfung oder ein technischer Defekt vorlag.
Warum Ferieninseln besonders betroffen sind
Kimolos Island gehört zu den kleineren Kykladeninseln und hat weniger als 1.000 Einwohner. Wie viele griechische Inseln verbindet sie traditionelle Bausubstanz mit einem stark wachsenden Tourismus. Alte Steinhäuser werden für die Ferienvermietung hergerichtet, oft ohne vollständig modernisiert zu werden.
Das kann zu einem gefährlichen Spannungsfeld führen. Ein Haus, das früher nur wenige Wochen im Jahr von einer Familie genutzt wurde, wird heute möglicherweise während der gesamten Saison an wechselnde Gäste vermietet. Gleichzeitig steigt der Verbrauch durch Warmwassergeräte, Klimaanlagen, Kühlschränke, Waschmaschinen, Ladegeräte und andere elektrische Geräte.
Eine alte Installation kann mit dieser Belastung überfordert sein, auch wenn sie früher problemlos funktioniert hat. Besonders problematisch sind provisorische Erweiterungen, unübersichtliche Leitungswege und Geräte, die in Außenbereichen oder feuchten Räumen betrieben werden.
Hinzu kommt, dass touristische Unterkünfte häufig in abgelegenen Regionen liegen. Auf einer kleinen Insel kann es länger dauern, bis ein qualifizierter Elektriker, ein Prüfer oder ein Rettungsteam eintrifft. Das macht vorbeugende Sicherheit besonders wichtig. Ein funktionierender Fehlerstromschutz, ein gut erreichbarer Hauptschalter und klare Notfallhinweise sind keine Luxusausstattung, sondern grundlegende Schutzmaßnahmen.
Griechenland hat begonnen, die Kontrolle von Kurzzeitvermietungen zu verschärfen. Bei solchen Überprüfungen sollten neben den erforderlichen Unterlagen auch elektrische Installationen, Rauchmelder, Feuerlöscher, Notbeleuchtung, Erste-Hilfe-Ausrüstung und Fluchtwege kontrolliert werden. Der Tod auf Kimolos dürfte den Druck erhöhen, diese Regeln nicht nur auf dem Papier durchzusetzen.
Was Gäste prüfen können
Reisende können eine professionelle Elektroprüfung nicht ersetzen. Trotzdem gibt es einige Warnzeichen, die ernst genommen werden sollten:
- Warmwasserbereiter oder Schalter befinden sich in unmittelbarer Nähe zu Dusche oder Badewanne.
- Steckdosen, Kabel oder Verlängerungen zeigen Risse, Schmorspuren oder Korrosion.
- Der Sicherungskasten wirkt sehr alt oder ist nicht beschriftet.
- Der Hauptschalter ist schwer zugänglich.
- Beim Berühren von Armaturen, Geräten oder dem Duschkopf ist ein Kribbeln zu spüren.
- Wassergeräte funktionieren unregelmäßig oder lösen wiederholt Sicherungen aus.
Bei einem elektrischen Kribbeln darf die betroffene Person nicht einfach erneut nach dem Gerät greifen. Zunächst sollte – sofern dies gefahrlos möglich ist – die Hauptsicherung ausgeschaltet werden. In einem Notfall muss sofort der Rettungsdienst verständigt werden.
Wer eine bewusstlose Person aus einem Badezimmer holen will, muss besonders darauf achten, nicht selbst Teil des Stromkreises zu werden. Das Berühren eines Opfers, solange die Stromzufuhr nicht unterbrochen wurde, kann zu einem weiteren Unfall führen.
Vermieter sollten jede Saison mit einer fachgerechten Prüfung beginnen lassen. Dazu gehört nicht nur das Ausstellen eines Zertifikats, sondern auch die Kontrolle des Fehlerstromschutzes, der Erdung, der Warmwassergeräte, der Außenleitungen und der Feuchtigkeitsschutzmaßnahmen. Gäste müssen außerdem wissen, wo sich der Hauptschalter befindet und welche Notrufnummern gelten.
Konsequenzen für den Tourismus
Die Frage nach der Sicherheit wird für Kimolos Griechenland und andere Inseln zunehmend zu einer Frage des Vertrauens. Touristen buchen Unterkünfte in der Erwartung, dass grundlegende Gefahren geprüft wurden. Sie können nicht erkennen, ob ein Warmwassergerät korrekt geerdet ist oder ob ein Schutzschalter im Ernstfall auslöst.
Für Griechenland liegt darin eine doppelte Herausforderung. Einerseits soll der Tourismus weiter wachsen und auch abgelegene Inseln wirtschaftlich stärken. Andererseits darf die Nachfrage nach Unterkünften nicht dazu führen, dass alte Gebäude ohne ausreichende Kontrolle als sichere Ferienobjekte angeboten werden.
Künftig könnten strengere Regeln erforderlich sein: verpflichtende Wiederholungsprüfungen für saisonale Unterkünfte, digitale Sicherheitsnachweise, unangekündigte Kontrollen und klarere Haftungsregeln für Eigentümer und Betreiber. Auch Buchungsplattformen könnten stärker in die Verantwortung genommen werden, anstatt sich ausschließlich auf Angaben der Gastgeber zu verlassen.
Der Tod von Alex McKee wird dadurch nicht rückgängig gemacht. Eine gründliche Untersuchung könnte jedoch verhindern, dass aus einem tragischen Einzelfall eine wiederkehrende Gefahr wird. Kimolos erinnert daran, dass idyllische Ferienhäuser nicht automatisch sichere Ferienhäuser sind – und dass bei Elektrizität in feuchten Räumen kein Raum für Nachlässigkeit bleibt.
Quellen
Sicherheitsüberprüfungen nach dem Tod eines irischen Teenagers durch Stromschlag beim Duschen in Griechenland
Kimolos: Mother Also Shocked by Live Current After Son’s Death

