19.08.2026
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Beinahe-Katastrophe in München: Warum der Vietnam-Airlines-Vorfall die Luftfahrt wachrüttelt

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Kerosin steht im Zentrum eines der gefährlichsten Zwischenfälle, die der Flughafen München in den vergangenen Jahren erlebt hat. Als eine Boeing 787 der Vietnam Airlines am Samstagmittag nur mit Mühe von der Startbahn abhob, begann eine Kette von Ereignissen, die Experten zufolge in einer Katastrophe mit hunderten Toten hätte enden können. Was zunächst wie ein technisches Problem wirkte, entpuppte sich als gefährliche Kombination aus menschlichem Versagen, physikalischen Grenzen und purem Glück.

Die dramatischen Minuten des Starts

Der Flug von München nach Hanoi sollte ein ganz normaler Langstreckenflug werden. 271 Passagiere und 16 Crewmitglieder befanden sich an Bord der Boeing 787-9 Dreamliner, als das Flugzeug gegen 13:57 Uhr Ortszeit auf der 4.000 Meter langen Startbahn beschleunigte. Doch etwas lief grundlegend falsch.

Videos, die kurz nach dem Vorfall in sozialen Medien kursierten, zeigen eine alarmierende Szene: Massive Staubwolken wirbeln hinter dem Flugzeug auf, während die Maschine sichtlich zu spät und zu langsam rotiert. Fachberichte dokumentieren, dass das Flugzeug erst 120 Meter hinter dem eigentlichen Ende der Startbahn abhob – im Grasbereich. Das Heck streifte dabei den Boden, ein sogenannter Tailstrike.

Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt sprach im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk von einer „sehr konkreten Gefahr”. „Es war wirklich knapp”, so der erfahrene Kenner der Luftfahrtbranche. Hätten die Piloten die Maschine nicht im letzten Moment hochziehen können, wäre der Dreamliner „in einem Feuerball” geendet – mit potenziell hunderten Todesopfern, nicht nur auf dem Flughafengelände, sondern auch in der Umgebung.

Warum Kerosin ablassen lebensrettend sein kann

Nach dem fehlerhaften Start traf der Kapitän eine entscheidende Wahl: Statt den Flug nach Hanoi fortzusetzen, kehrte er nach München zurück. Doch hier kam ein kritischer Faktor ins Spiel – das Gewicht. Eine voll betankte Boeing 787 wiegt beim Start deutlich mehr als das maximale Landegewicht. Eine Landung mit vollem Tank wäre riskant gewesen, da die Struktur des Flugzeugs, insbesondere das Fahrwerk, für dieses Gewicht bei der Landung nicht ausgelegt ist.

Die Lösung: Kerosin ablassen. Über dem Großraum München kreiste das Flugzeug mehr als zwei Stunden und ließ dabei kontrolliert Treibstoff ab. Dieser Vorgang, der für Außenstehende oft beunruhigend wirkt, ist ein standardisiertes Notfallverfahren. Das Kerosin verdampft in der Atmosphäre schnell und stellt in der Regel keine Gefahr für Menschen am Boden dar.

Der Begriff Kerosin taucht in diesem Zusammenhang immer wieder auf, weil er den entscheidenden Unterschied zwischen einer sicheren Notlandung und einem möglichen Strukturversagen ausmacht. Ohne das Ablassen des Kerosin hätte das Flugzeug bei der Landung mit einem Gewicht aufsetzen müssen, das weit über den zulässigen Grenzwerten lag. Die Reifen des Hauptfahrwerks wären mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits beim Aufsetzen geplatzt – was sie bei der tatsächlichen Landung trotzdem taten, allerdings bei deutlich geringerem Gewicht.

Interessanterweise suchen viele Menschen nach Begriffen wie „Kerosin kaufen” oder „Kerosin Flughafen Hamburg“, wenn sie sich über den Treibstoff informieren wollen. Doch im Kontext von Notfällen wie diesem geht es nicht um den Handel mit Kerosin, sondern um die physikalische Notwendigkeit, das Flugzeug auf ein sicheres Landegewicht zu bringen. Selbst Begriffe wie „King Kerosin” oder „Queen Kerosin“, die manchmal in anderen Zusammenhängen verwendet werden, spielen hier keine Rolle – es geht ausschließlich um Sicherheit.

Der Tailstrike: Ein Warnsignal, das nicht ignoriert werden darf

Der sogenannte Tailstrike beim Start ist mehr als nur eine kosmetische Beschädigung. Er deutet darauf hin, dass das Flugzeug bei der Startgeschwindigkeit am „untersten Limit” war, wie Großbongardt erklärte. Für einen sicheren Start hätte die Maschine eigentlich deutlich schneller sein müssen.

Der Experte erinnerte an einen ähnlichen Vorfall in Australien im Jahr 2009, bei dem ein Airbus A340 der Emirates ebenfalls mit dem Heck den Boden am Ende der Startbahn berührte. Damals wurde das Startgewicht falsch in den Bordcomputer eingegeben. Großbongardt schloss nicht aus, dass auch beim Münchner Dreamliner-Vorfall menschliches Versagen eine Rolle spielte.

Die Automatisierung moderner Flugzeuge ist zwar ausgefeilt, aber sie basiert auf korrekten Eingaben. Wenn das Gewicht falsch berechnet wird, können die empfohlenen Startgeschwindigkeiten und -verfahren unzureichend sein. Dies unterstreicht die Bedeutung der menschlichen Überwachung auch in hochautomatisierten Cockpits.

Die Landung: Rauch, Reifenteile und geschlossene Startbahn

Als die Boeing 787 nach dem Kerosin-Ablassen zur Landung ansetzte, zeigten sich die Folgen des fehlerhaften Starts deutlich. Videos zeigen Rauch, der am Fahrwerk aufsteigt, während Reifenteile wegfliegen. Kaum stand die Maschine, fuhren Feuerwehr- und Rettungswagen heran.

Die Inspektion ergab massive Schäden: Die Reifen des Hauptfahrwerks waren vollständig zerstört, das Fahrwerk selbst beschädigt. Bilder in sozialen Medien zeigten zudem erhebliche Schäden am Heckteil des Rumpfes – die direkte Folge des Tailstrike beim Start. Das Flugzeug konnte die Startbahn nicht aus eigener Kraft verlassen und blieb stranden, was zur Schließung der Nordbahn führte und den Flugbetrieb am Münchner Flughafen erheblich beeinträchtigte.

Trotz der dramatischen Umstände: Verletzt wurde niemand. Vietnam Airlines bestätigte, dass allen Passagieren und der Besatzung nichts geschehen sei. Die Fluggesellschaft sprach von einem „technischen Problem” und entschuldigte sich „aufrichtig für die entstandenen Unannehmlichkeiten”.

Die Ermittlungen: Monate bis zur Klärung

Die genaue Ursache des Vorfalls muss nun die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ermitteln. Mit Hilfe der Flugdatenschreiber und Cockpit-Voice-Recorder soll geklärt werden, was sich im Cockpit abgespielt hat. Experten schätzen, dass die Ermittlungen Monate dauern könnten.

Die Untersuchung wird sich auf mehrere Aspekte konzentrieren:

  • Die Berechnung des Startgewichts und der Startgeschwindigkeit
  • Die Leistung der Triebwerke während des Starts
  • Mögliche technische Defekte an Bremsen oder Fahrwerk
  • Die Entscheidungsprozesse der Crew vor und während des Starts
  • Die Einhaltung der Standardverfahren

Erst wenn diese Fragen geklärt sind, wird sich zeigen, ob es sich um menschliches Versagen, einen technischen Defekt oder eine Kombination aus beidem handelte.

Was dieser Vorfall für die Luftfahrt bedeutet

Der Vorfall in München ist ein Weckruf für die gesamte Luftfahrtindustrie. Trotz aller technischen Fortschritte und Sicherheitsvorkehrungen bleibt die Luftfahrt ein komplexes System, in dem menschliche Entscheidungen nach wie vor entscheidend sind.

Die Tatsache, dass 287 Menschen nur durch das schnelle Handeln der Crew und eine Portion Glück überlebten, zeigt, wie dünn die Linie zwischen einem routinemäßigen Flug und einer Katastrophe sein kann. Es unterstreicht auch die Bedeutung von Notfallverfahren wie dem Ablassen von Kerosin, die auf den ersten Blick dramatisch wirken mögen, aber in Wahrheit lebensrettend sind.

Für Passagiere bedeutet dieser Vorfall vor allem eines: Die Sicherheitssysteme funktionieren. Die Crew handelte nach Vorschrift, die Notfallverfahren wurden eingehalten, und am Ende landete das Flugzeug sicher – wenn auch mit erheblichen Schäden. Die Luftfahrt bleibt eine der sichersten Fortbewegungsarten, auch weil solche Vorfälle intensiv untersucht und die Lehren daraus in die gesamte Branche einfließen.

Die Frage, die nun bleibt, ist nicht, ob die Luftfahrt sicher ist, sondern wie aus diesem Vorfall gelernt werden kann, um ähnliche Situationen in Zukunft zu verhindern. Die Antwort darauf werden die Ermittler in den kommenden Monaten liefern.

Quellen

Beinahe-Katastrophe am Münchner Airport? Experte im Interview
Laut der vietnamesischen Luftfahrtbehörde kehrte das Passagierflugzeug nach einem Heckaufprall und Warnungen wegen des Reifendrucks nach München zurück


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