Was als Partnerschaft begann, endet für viele Frauen in Deutschland mit Angst und ständiger Bedrohung. Eine von ihnen ist Jessica*, die sich derzeit in einem laufenden Scheidungsverfahren befindet. Doch statt Frieden und Abstand erlebt sie eine neue Form des Horrors: digitale Gewalt.
Über soziale Medien und Messenger-Dienste erhält sie regelmäßig Nachrichten wie „Ich breche dir das Genick“, „Bald endet alles“, oder „Ich bring’ dich um“. Manchmal erscheinen sie direkt im Chat ihres Noch-Ehemanns, manchmal von anonymen Accounts oder einer unterdrückten Nummer mit Absendernamen wie „Kill Jessica“.
Digitale Gewalt – ein wachsendes Phänomen
Psychologen und Polizeiexperten schlagen Alarm: Digitale Gewalt in Beziehungen ist längst kein Randphänomen mehr. Nach einer Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) berichten rund 40 % der Opfer häuslicher Gewalt davon, auch online bedroht oder überwacht worden zu sein.
Diese Form des Missbrauchs tritt häufig in Trennungsphasen auf. Täter nutzen moderne Kommunikationskanäle, um Kontrolle und Angst aufrechtzuerhalten – Plattformen, Messenger-Dienste und sogar GPS-Ortung werden zu Werkzeugen der Einschüchterung.
Die rechtliche Lage in Deutschland
Nach § 238 des Strafgesetzbuchs (StGB) fällt digitales Stalking oder Cybermobbing unter Nachstellung und kann mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren, in schweren Fällen bis zu zehn Jahren, geahndet werden.
Doch die Praxis zeigt: Das Sammeln digitaler Beweise ist schwierig. Opfer müssen oft selbst Screenshots, Chatprotokolle oder technische Spuren sichern, bevor Polizei und Justiz eingreifen.
Hilfsorganisationen wie die Beratungsstelle bff – Frauen gegen Gewalt e.V. oder die Nummer gegen Kummer bieten psychologische und rechtliche Unterstützung, auch anonym.
Zwischen Angst und Selbstbehauptung
Für Betroffene wie Jessica bedeutet jede Nachricht ein Angriff auf ihre Sicherheit. Dennoch sind viele Opfer nicht bereit, sich einschüchtern zu lassen.
„Digitale Gewalt ist real – sie verletzt, sie macht kaputt, auch ohne physischen Kontakt“, sagt eine Sprecherin der Frauenhilfe Hamburg. „Aber jede Anzeige, jeder Screenshot und jede dokumentierte Drohung ist ein Schritt zurück zur Selbstbestimmung.“
Fazit: Gesellschaftliche Verantwortung
Der Fall zeigt, wie dringend Deutschland ein stärkeres Bewusstsein für digitale Gewalt braucht. Polizei, Justiz und Gesellschaft müssen enger zusammenarbeiten, um Opfer von Cyber-Stalking besser zu schützen. Zwischenmenschliche Konflikte dürfen nicht zur Waffe im Netz werden – weder während einer Scheidung noch danach.

