21.09.2026
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Issa Remmo auf Linken-Wahlparty: Warum der Vorfall Berlin politisch unter Druck setzt

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@2026 AFP

Issa Remmo ist auf einer Wahlpartyder Berliner Linken in Neukölln aufgetaucht und hat damit eine Debatte verschärft, die weit über die Frage eines ungebetenen Gastes hinausgeht. Im Mittelpunkt stehen nun die politische Abgrenzung der Partei, ihr Umgang mit Antisemitismus und die Frage, wie offen Wahlveranstaltungen in einer aufgeheiztenStadtgesellschaft tatsächlich seindürfen.

Der Mann, der in Medien regelmäßig als führende Figur der bekannten Remmo-Familie bezeichnet wird, wurde in Neukölln eingelassen. Bei der Wahlparty der Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp in Kreuzberg soll ihm dagegen der Zutritt verweigert worden sein. Die Partei erklärte, Issa Remmo habe keine Einladung gehabt und sei nicht auf einer Anmeldeliste gestanden. In Neukölln handelte es sich nach Angaben des Bezirksverbands um eine öffentliche Veranstaltung, zu der auch nicht angemeldete Besucher kommen konnten.

Ein Gast, der zum politischen Signal wurde

Rechtlich und organisatorisch mag der Vorgang zunächst wie ein Einlassproblem wirken. Politisch ist er jedoch deutlich größer. Wahlpartys sind keine gewöhnlichen öffentlichen Veranstaltungen. Sie dienen Parteien dazu, Unterstützer zu versammeln, Erfolge zu feiern und ein bestimmtes Bild von ihrer politischen Gemeinschaft zu vermitteln.

Wenn dort eine Person erscheint, die in der öffentlichen Wahrnehmung mit dem Berliner Clan-Milieu verbunden wird, entsteht automatisch ein Deutungskonflikt. Selbst wenn keine Einladung ausgesprochen wurde und keine persönliche Beziehung besteht, bleibt der Eindruck einer Nähe. Genau diesen Eindruck wollte die Berliner Linke nach Bekanntwerden des Besuchs möglichst schnell zurückweisen.

Jorinde Schulz aus dem Neuköllner Bezirksvorstand erklärte, Issa Remmo sei der Partei im Zusammenhang mit der Veranstaltung nicht bekannt gewesen. Es gebe weder politische noch persönliche Beziehungen zu ihm. Sein Besuch habe daran nichts geändert. Diese Erklärung ist eindeutig formuliert, beantwortet aber nicht vollständig die entscheidende Frage: Warum konnte eine öffentlich bekannte Person mit einem derart kontroversen Ruf ohne erkennbare Kontrolle an der Veranstaltung teilnehmen?

Zwei unterschiedliche Reaktionen der Linken

Der Ablauf in Neukölln und Kreuzberg zeigt, dass es innerhalb der Berliner Linken offenbar unterschiedliche Sicherheits- und Einlassstandards gab. Während Issa Remmo in Neukölln an der Feier teilnehmen konnte, wurde er am Eingang der Kreuzberger Veranstaltung abgewiesen. Elif Eralp sagte, er habe keine Einladung gehabt und sei sofort wieder hinausgebeten worden.

Für die Partei ist dieser Unterschied politisch unangenehm. Einerseits kann sie darauf verweisen, dass sie in Kreuzberg klar reagiert habe. Andererseits legt der Vorfall in Neukölln nahe, dass die Verantwortlichen dort entweder nicht wussten, wer anwesend war, oder die Bedeutung des Besuchs unterschätzten.

Gerade in einer Zeit, in der Parteien besonders sensibel auf Kontakte zu kriminellen Strukturen achten müssen, reicht eine nachträgliche Distanzierung nicht immer aus. Bürger erwarten nicht nur, dass Parteien keine problematischen Personen einladen. Sie erwarten auch, dass Parteien bei öffentlichen Veranstaltungen Verantwortung für die Wirkung ihrer Bilder und Kontakte übernehmen.

Was Issa Remmo selbst sagte

Issa Remmo nutzte seinen Auftritt offenbar auch, um sich in die Antisemitismusdebatte rund um die Berliner Linke einzuschalten. Gegenüber der „Berliner Morgenpost“ erklärte er, die Berliner Linke sei Juden gegenüber nicht feindlich eingestellt. Zudem sagte er, er fühle sich in Deutschland erstmals von einer Partei unterstützt. Einen Politiker, der judenfeindlich sei, würde er nach eigener Aussage nicht wählen.

Diese Äußerungen verändern die politische Lage jedoch nicht automatisch. Eine Einzelperson, die auf einer Parteiveranstaltung eine Partei gegen Antisemitismusvorwürfe verteidigt, kann deren innerparteiliche Konflikte nicht auflösen. Entscheidend ist nicht, wer die Linke öffentlich lobt, sondern wie die Partei selbst mit antisemitischen Aussagen und Aktionen in den eigenen Reihen umgeht.

Der Auftritt von Issa Remmo machte deshalb vor allem sichtbar, wie empfindlich die politische Debatte inzwischen geworden ist. Jeder Gast, jedes Foto und jede öffentliche Äußerung kann zum Symbol werden – besonders dann, wenn die Partei gleichzeitig um ihre Glaubwürdigkeit im Kampf gegen Antisemitismus ringt.

Antisemitismus als größere Belastungsprobe

Die Diskussion über Issa Remmo fällt in eine bereits angespannte politische Situation. Die Berliner Linke war im Wahlkampf wiederholt wegen Aussagen und Aktionen kritisiert worden, die als antisemitisch oder antiisraelisch bewertet wurden. Besonders umstritten war ein Auftritt im Umfeld des Neuköllner Kreisverbands, bei dem zur „Intifada“ und zum Tod israelischer Soldaten aufgerufen worden sein soll.

Der Zentralrat der Juden reagierte besorgt auf den Wahlerfolg der Linken. Präsident Josef Schuster erklärte, die Partei sei im Wahlkampf mehrfach durch antisemitische Grenzüberschreitungen aufgefallen. Eine Partei, auf deren Wahlkampfbühne der Tod von Menschen gefordert werde, könne nicht ohne Weiteres politische Verantwortung übernehmen, so die Stoßrichtung seiner Kritik.

Damit wird klar: Der Besuch von Issa Remmo ist nicht der einzige Grund für die aktuelle Auseinandersetzung. Er wirkt vielmehr wie ein Verstärker. Der Fall verbindet zwei Themen, die in Berlin besonders sensibel sind: den Umgang mit organisierter Kriminalität und die Abgrenzung von Judenhass.

Kritik aus CDU und Grünen

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner bezeichnete den Auftritt von Issa Remmo auf der Wahlparty als verstörendes Signal. Eine Partei, die Verantwortung für die Stadt übernehmen wolle, müsse unmissverständlich deutlich machen, dass es keine Nähe zu Strukturen geben dürfe, die mit organisierter Kriminalität verbunden würden.

Auch die Grünen-Landesvorsitzende Nina Stahr forderte Aufklärung. Sie verlangte Gespräche innerhalb der Linken – sowohl über den Besuch als auch über die Antisemitismusdebatte. Vor einer möglichen Regierungsbildung müsse Klarheit herrschen, lautete ihre zentrale Forderung.

Die Reaktionen sind strategisch verständlich. SPD und Grüne müssen abwägen, ob sie mit einer erfolgreichen Linken kooperieren können, ohne den Eindruck zu erwecken, problematische Vorgänge zu verharmlosen. Für die Linke geht es daher nicht nur um eine Erklärung zu einer Wahlparty. Es geht um ihre Regierungsfähigkeit.

Nicht jeder Familienname ist ein Beweis

Bei der Berichterstattung über das Thema ist allerdings eine sachliche Unterscheidung wichtig. Der Begriff „Clan“ wird in Deutschland häufig pauschal verwendet und kann dazu führen, dass sämtliche Mitglieder einer Großfamilie automatisch mit Straftaten in Verbindung gebracht werden. Das ist journalistisch und rechtlich problematisch.

Über konkrete Personen müssen belastbare Fakten, Ermittlungen und Gerichtsentscheidungen voneinander getrennt werden. Dass in der Vergangenheit einzelne Mitglieder einer Familie strafrechtlich auffällig waren, beweist nicht automatisch eine persönliche Beteiligung jedes Verwandten an Straftaten. Das gilt auch für Suchbegriffe und Schlagzeilen wie „Berlin Geldautomat Remmo Clan“, die häufig verschiedene Fälle, Personen und Zeiträume miteinander verbinden.

Auch Namen wie Mohamed Remmo oder der Suchbegriff „Issa Remmo Söhne“ sollten nicht ohne überprüfbare Informationen in einen konkreten Tatvorwurf eingebaut werden. Eine verantwortungsvolle Berichterstattung muss deutlich machen, ob es um eine bestätigte Tatsache, eine politische Einordnung oder lediglich um eine öffentliche Zuschreibung geht.

Warum der Fall Folgen haben könnte

Für die Berliner Linke dürfte der Vorfall mehrere Konsequenzen haben. Erstens wird sie ihre internen Regeln für Veranstaltungen überprüfen müssen. Öffentliche Wahlpartys können grundsätzlich offen bleiben, doch bei prominenten Gästen mit erheblicher politischer Sprengkraft braucht es klare Zuständigkeiten und eine verlässliche Einlassorganisation.

Zweitens wird die Partei ihre Kommunikation schärfen müssen. Eine Distanzierung nach dem Ereignis ist notwendig, aber nicht ausreichend. Die Linke muss erklären, wie sie künftig verhindern will, dass Personen mit umstrittenem Hintergrund ungeplant zum Bestandteil ihrer Außendarstellung werden.

Drittens wird der Umgang mit Antisemitismus zum Prüfstein möglicher Koalitionsgespräche. SPD und Grüne werden vermutlich nicht allein auf schriftliche Erklärungen setzen. Sie dürften konkrete Maßnahmen verlangen: klare Konsequenzen bei antisemitischen Äußerungen, verbindliche Regeln für Veranstaltungen und eine erkennbare politische Linie gegenüber Israel, jüdischem Leben und antisemitischen Bewegungen.

Ein Warnsignal für alle Parteien

Der Auftritt von Issa Remmo zeigt letztlich ein allgemeineres Problem moderner Wahlkämpfe: Politische Veranstaltungen sind längst auch Medienereignisse. Ein einziger Gast kann die Botschaft eines ganzen Abends verändern. Ein Foto, eine Geste oder ein kurzes Interview kann über soziale Netzwerke schneller verbreitet werden als jede offizielle Pressemitteilung.

Parteien müssen deshalb nicht nur ihre Inhalte kontrollieren, sondern auch ihre Räume. Offenheit und Bürgernähe sind wichtige demokratische Werte. Sie dürfen jedoch nicht mit Beliebigkeit verwechselt werden. Wer politische Verantwortung übernehmen will, muss erklären können, wer Zugang zu den eigenen Veranstaltungen erhält und welche Grenzen gelten.

Issa Remmo hat die Berliner Linke nicht automatisch politisch vereinnahmt. Sein Besuch beweist auch keine geheime Verbindung zur Partei. Er hat jedoch eine Schwachstelle sichtbar gemacht: die Lücke zwischen formaler Distanzierung und tatsächlicher Kontrolle. Ob die Linke diese Lücke schließen kann, wird für ihre Glaubwürdigkeit in den kommenden Wochen entscheidend sein.

Quellen

Clanchef Remmo besucht Wahlparty der Berliner Linken
Clan-Größe Remmo auf Linken-Wahlparty – Partei distanziert sich


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