Im Skandal um den mutmaßlichen russischen Spion Jan Marsalek geraten immer mehr Details ans Licht. Laut Recherchen des ARD-Politikmagazins Kontraste soll sich der ehemalige Geheimdienstkoordinator Bernd Schmidbauer in mehreren Punkten widersprochen haben. Besonders brisant: Seine früheren Aussagen vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss könnten nun als unvollständig oder irreführend gelten.
Der einst enge Vertraute der Bundesregierung hatte stets betont, Marsalek nie in sicherheitsrelevanten Kontexten getroffen zu haben. Neue Dokumente, die Kontraste vorliegen, zeichnen jedoch ein anderes Bild.
Neue Erkenntnisse über Kontakte zu Marsalek
Nach Angaben der Recherchen soll Schmidbauer mehrfach mit Marsalek in Kontakt gestanden haben – auch nach dessen Flucht 2020. Diese Treffen sollen über inoffizielle Kanäle vermittelt worden sein. Ob dabei vertrauliche Informationen geflossen sind, ist bislang unklar.
Mehrere ehemalige Sicherheitsbeamte äußerten gegenüber der ARD Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Schmidbauers bisherigen Aussagen. In Regierungskreisen wächst die Sorge, dass der Fall erneut politische Wellen schlagen könnte – insbesondere, wenn sich der Verdacht auf eine Falschaussage erhärtet.
Untersuchungsausschuss prüft Aussagen
Der Bundestags-Untersuchungsausschuss, der den Wirecard- und Marsalek-Komplex untersucht, hat neue Protokolle angefordert. Es sollen zusätzliche Zeugen geladen werden, um die angeblichen Widersprüche in Schmidbauers Aussagen zu überprüfen. Nach Informationen des Tagesspiegel wird dabei auch geprüft, ob Verstöße gegen die Aussagepflicht vorliegen.
Ein Mitglied des Ausschusses erklärte anonym, es gehe jetzt um die „Glaubwürdigkeit staatlicher Institutionen und den Schutz vor möglicher Einflussnahme aus Russland“.
Hintergrund: Der Fall Marsalek
Jan Marsalek, ehemaliger COO des zusammengebrochenen DAX-Konzerns Wirecard, ist seit Jahren flüchtig. Ermittler vermuten, dass er sich mit Hilfe russischer Geheimdienste nach Moskau abgesetzt hat. Seine mutmaßlichen Spionage-Aktivitäten und Kontakte in höchste politische Kreise beschäftigen seitdem deutsche und internationale Sicherheitsbehörden.
Der Fall gilt als einer der größten Wirtschaftsskandale der letzten Jahrzehnte – mit politischen und sicherheitsrelevanten Dimensionen weit über Deutschland hinaus.
Quellen
Hat der Ex-Geheimdienstkoordinator die Unwahrheit gesagt?
Marsalek und der russische Geheimdienst: Was wusste der ehemalige Geheimdienstkoordinator Schmidbauer?